Panorama-Erstellung im Detail
Bilder einladen
Kamera-/Objektiv-Parameter festlegen
Passpunkte erstellen
Manuelle Passpunkterzeugung
Automatisch Passpunkterzeugung
Passpunkte als horizontale/vertikale Hilfslinien
Kontrolle der Passpunkte
Parameter der Kamera-Orientierung ermitteln (Optimizer)
Panorama 'stitchen'

Panorama-Erstellung im Detail
Wie wird ein Panorama aus einem Bildverband erstellt? Der Arbeitsablauf wird in diesem Abschnitt im Detail an einem Beispiel dargestellt. Bei den Beispielbildern handelt es sich um einen einreihigen Bildverband. Das Vorgehen bei einem mehrreihigen Panorama verhält analog zu dem hier gezeigten.

Hinweis: Das Zeichen '»' weist auf eine konkrete Arbeitsanweisung hin, die für das Nachvollziehen des Beispielpanoramas notwendig ist.
Bilder einladen
Nach dem Start von HUGIN beginnt die Arbeit auf dem ersten Reiter mit der Bezeichnung 'Bilder'. Die Schaltfläche 'Bilder hinzufügen' öffnet einen Dateiauswahldialog. Mit diesem sind die Bilder auszuwählen. Alternativ können die Bilder per Drag and Drop eingeladen werden. Die Bilder sollten physikalisch in der richtigen Orientierung (hoch/quer) vorliegen und nicht gedreht laut EXIF-Informationen sein. Es könnte sonst bei der Wahl der horizontalen und vertikalen Hilfslinien zu Verwirrungen führen.

» Lade die Beispielbilder.

Nach dem Einladen werden für alle Bilder die Größe in Pixeln, Werte für Yaw, Neigung und Rollen (alle 0), Anzahl der Passpunkte und Informationen zur Ankerfunktion angezeigt. Das erste Bild in der Reihe wird als Ankerbild festgelegt, d.h., daß im Bearbeitungsprozess alle anderen Bilder an dieses Ankerbild angepasst werden. Das Ankerbild sollte für den Standardfall das Bild in der Mitte des Verbandes sein. Das gleiche gilt für die Farbanpassung ('Belichtungsanker') bei dem späteren Zusammenfügen.
Für eine ordentliche Arbeit des Optimizers ist es notwendig, daß die Einzelbilder in der richtigen Reihenfolge (aufeinanderfolgend!) in HUGIN geladen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, können die Schaltflächen 'Nach oben' und 'Nach unten' zur Korrektur der Reihenfolge verwendet werden.
Zu jedem Bild können die Rotationswerte manuell eingetragen oder zurückgesetzt werden. Hierzu können die Anzeigemasken direkt geändert werden. Weiterhin lassen sich die Passpunkt eines Bildes löschen.

» Wähle das mittlere Bild als Ankerbild.

Hier sind die Beispielbilder für diesen Abschnitt. Drei Bilder im Querformat zeigen das Rathaus von Hannover als Postkartenmotiv.

» Speicher das Projekt, sodaß die Einstellungen später einfach wiederherstellbar sind. Zum Speichern wird der Schaltknopf mit dem Diskettensymbol oder der Menüeintrag 'Datei->Speichern' verwendet.

Kamera-/Objektiv-Parameter festlegen
Auf dem zweiten Reiter 'Kamera und Objektiv' werden Startparameter für den Bildwinkel eines jeden Bildes, der Typ des Objektives und die Korrekturparameter der Optik eingestellt. Im linken Bereich sind die Bilder gelistet und im rechten Bereich sind die einzelnen Parameterbereiche vorhanden. Alle haben gemein, daß sie über eine Auswahlbox 'vererben' verfügen. Damit ist gemeint, daß die hier eingetragenen Eigenschaften für alle Bilder gelten, die mit dem gleichen Objektiv aufgenommen sind. Dies sollte der Standardfall sein, es sei denn die Bilder sind bei unterschiedlicher Brennweite/Fokussierung/Formatlage aufgenommen (siehe hierzu weiter unten).
Objektivtyp und Designparameter
Der Typ des verwendeten Objektives muss hier eingestellt werden. Im Regelfall handelt es sich um ein normales (rectlineares, rechtwinkelig abbildendes) Objektiv. Eine gebräuchliche Alternative stellt das Fisheye-Objektiv dar.

» Für das vorliegende Beispiel wird 'Normal (rectlinear)' ausgewählt.

Die Designparamter beinhalten den Bildwinkel (v) die Brennweite und Beschnittfaktor (Cropfaktor). Standardmäßig wird hier die reale Brennweite und der Cropfaktor der Kamera angegeben. Alternativ könnte auch direkt der Bildwinkel oder die bereits auf 1 normiert Brennweite (KB-Äquivalent) eingegeben werden.

Zusätzlich kann der Bildbeschnitt über die Schaltfläche 'Crop' festgelegt werden. Hiermit kann eingestellt werden, welcher Bildausschnitt für die weitere Verarbeitung verwendet werden soll. Die Schaltfläche 'Zuschneiden' erlaubt es, jedes Bild vor dem Stitchingprozess zu beschneiden. Dies ist bei zirkularen Fisheye-Objektiven hilfreich, da somit die schwarzen Ecken des Fisheyebildes ignoriert werden. Die Anwendung wird im Abschnitt Sphärische Panoramen 360°x180° erklärt.

» Die Werte für den Crop und die Brennweite sind aus den EXIF-Daten des JPEG auslesbar. Wähle ein Bild aus und drücke den Knopf 'Lade EXIF' rechts unten. Alternativ trage Brennweite (17) und Cropfaktor (1,6) ein. Aktiviere die Auswahl 'vererben'.

HUGIN errechnet aus diesen Werten und der Bildlage den Startwert für den Bildwinkel (v). Dieser Blickwinkel gilt für ein Einzelbild; später taucht dieser Begriff in ähnlicher Weise nochmal auf und wird für den zusammengesetzten Verband als 'horizontal field of view' (hfov) verwendet.

Achtung: Bei einem Beenden und neu Öffnen eines HUGIN-Projektes, verstellen sich häufig die Werte für Brennweite und Crop. Dies ist immer zu prüfen.
Objektivkorrekturparameter
Fertigungsbedingt hat jedes Objektiv spezifische Fehler. Diese Fehler sind i.d.R. zu bestimmende Parameter im Optimierungsprozess (siehe weiter unten). Kissen- und Tonnenverzug und Zentrierung der Optik gehören zu dieser Gruppe.
Sind die entsprechenden Werte der Optik bekannt, können diese hier eingetragen werden oder die Objektivverwaltung genutzt werden (s.u.).
Alternativ zur Bestimmung der Parameter in HUGIN kann auch in der Vorverarbeitung der Bilder das Programm PTLens verwendet werden. PTlens von Thomas Niemann basiert auf den Panotools und korrigiert die Linsenfehler (Verzerrungen und Verzeichnung/Vignettierung).
Verzeichnung/Vignettierung Die Verzeichnung, also der durch die Optik bedingte Randlichtabfall ist seit Version 0.6 direkt beim Stitchen korrigierbar. Je weitwinkeliger eine Optik ist desto mehr Verzeichnung hat das Objektiv rein potenziell. Bei einem Fisheye ist es auf jeden Fall augenfällig. Im Abschnitt Verzeichnung korrigieren wird näher auf diese Einstellmöglichkeit eingegangen. Zur Nutzung der Funktion muss der Bildverband vollständig optimiert sein (Passpunkt liegen vor, y,p,r, .. sind ermittelt).

»Überspringe diese Einstellmöglichkeit

Verzerrungen a, b, c Die Verzerrungsparameter können eingetragen werden. Normalerweise sollten diese jedoch im Optimierungsprozess mitbestimmt werden. In der Maske darf keine 0 als Startwert enthalten sein, da dieser Parameter sonst nicht mitgeschätzt wird.

» Aktiviere die Auswahl 'vererben' und belasse die Standardwerte (0,0001) in den Eingabemasken.

Verschiebung der Bildmitte d, e An dieser Stelle sind zwei zusammenhängende Funktionen vorhanden. Die Verschiebung der Bildmitte tritt in der Praxis meist als Dezentrierung des Objektives auf. Diese Parameter d und e können im Optimierungsprozess mitgeschätzt werden. Über die Objektivverwaltung wäre ein gespeicherter Wert ladbar.

» Aktiviere die Auswahl 'vererben' und belasse die Standardwerte (0) in den Eingabemasken.

Bildscherung g, t Die Bildscherung meint den Versatz der Kamera. Mit diesen Parametern ist es möglich, Bilder verschiedener Kamerastandorte zu einem Bild zusammenzusetzen. Unterschiedliche Standorte sind nicht willkürlich frei wählbar. Sie sollten sich in einer Linie befinden und die Aufnahmerichtung senkrecht dazu. In der Praxis kann dies z.B. für das Zusammenfügen von Scanneraufnahmen verwendet werden. Im Abschnitt Spezialitäten gibt es hierfür eine Anleitung. Für normale Panoramen sind diese Parameter nicht relevant.

» Belasse die Standardwerte (0) in den Eingabemasken.


Belichtung und Farbe Ausgleich von Belichtungs- und Farbunterschieden. Zur Ermittlung der Parameter und deren Anwendung folgt noch eine Anleitung.

» Belasse die Standardwerte (gain: 1 und offset: 0) in den Eingabemasken.


Objektivverwaltung
Die Objektivnummer ist in der dritten Spalte der Bilderliste zu ersehen. Alle gleichzeitig eingeladenen Bilder in gleicher Formatlage erhalten die gleiche Nummer. Im unteren Bereich befindet sich die 'Objektivverwaltung'. Hier können den ausgewählten Bildern über die Schaltfläche 'Neues Objektiv' explizit Objektive zugeordnet werden. Dies ist dann anzuraten, wenn die Bilder mit unterschiedlicher Brennweite oder Fokussierung aufgenommen wurden. Im Optimierungsprozess (Parameterbestimmung) werden die Bilder eines jeden Objektives getrennt optimiert.
Fälschlicherweise von HUGIN unterschiedlich zugewiesene Bilder lassen sich auf diese Weise auch auf ein gemeinsames Objektiv einstellen (Schaltfläche 'Objektiv Nr. ändern').
Wenn Sie für ein bestimmtes Objektiv gute/zutreffende Korrekturparameter gefunden haben, dann können Sie diese über die Schaltfläche 'Speichern' in der HUGIN internen Objektivverwaltung abspeichern. Mit der Schaltfläche 'Laden' können Sie die gespeicherten Parameter später abrufen und den Bildern eines Projektes zuweisen.
Passpunkte erstellen
Passpunkte bilden das Grundgerüst des Panoramas. Sind die Passpunkte schlecht oder ungenau gewählt, kann das Panorama nicht richtig erzeugt werden. Die Passpunkte sind interaktiv mit der Maus für jedes Bildpaar festzulegen. Hierbei werden identische Bildteile in unterschiedlichen Bildern festgelegt. Neben dieser manuellen Vorgehensweise können auch die beiden optionalen Programmteile Auotpano oder Autopano-sift verwendet werden. Diese Programme sind eigenständig lauffähig aber auch aus HUGIN heraus aufruf- und steuerbar.
Hinweis: es sind mindestens 3 Passpunkte pro Bildpaar notwendig.
Neben den Passpunkten eines Bildpaares sind weiterhin Passpunkte möglich, die vertikale oder horizontale Hilfslinien festlegen. Diese dienen dazu, vertikale bzw. horizontale Bildelemente in der Ausgabe als solche auszugeben. Die Wirkung hängt von der gewählten Projektion ab.
Kriterien zur Passpunktwahl
'Gute' Passpunkte sollten normalerweise ...
  • nicht am Rand eines Bildes liegen. -> Güte der Optik
  • nicht auf einer Geraden liegen. -> Mathematisch ungünstig
  • über die Mitte des Bildes gestreut liegen.
  • sich nicht aus der Überlagerung zweier Bildobjekte ergeben (Baum und Fensterrahmen bilden Schnitt). -> Parallaxe
  • nicht im Vordergrund liegen. -> Parallaxe
  • in einer Ebene liegen (nicht in zu stark untersch. Entfernung von der Kamera)
Manuelle Passpunkterzeugung
Auf dem dritten Programmreiter 'Kontrollpunkte' befinden sich zwei Bildfenster, in ihnen werden die einzelnen Bilder -über entsprechend numerierte Reiter ansprechbar- angezeigt. Mit einem Schaltknopf lassen sich die Bildpaare paarweise weiterschalten ('Bildpaarwahl'). Die Vergrößerung der Bilder ist einstellbar. Die Passpunkte werden in drei untesrchiedlichen Modus erzeugt: normal, vertikale Linie oder horizontale Linie ('Passpunktmodus'). Nach Wahl des ersten Punktes kann HUGIN versuchen den korrespondierenden Punkt selbständig zu finden, zu verfeinern und automatisch zum Projekt hinzufügen ('Passpunktoptionen'). Im Tabellenbereich unten links werden die zum aktuellen Bildpaar vorhandenen Passpunkte mit den Bildkoordinaten, Modus (Ausrichtung) und Abstand nach Optimierung angezeigt.

Spezielle Passpunkte zum Entzerren von 'schrägen Häuser' oder geraderücken schiefer Horizonte wird weiter unten behandelt (Passpunkte als horizontale/vertikale Hilfslinien).

»

  1. Stell die Bildvergrößerung auf 'Einpassen'
  2. Aktiviere 'Automatisches Verfeinern' und 'Automatisches Schätzen', deaktiviere 'Automatisches hinzufügen'
  3. Wähl über die Bildreiter das linke Bild für das linke Fenster und das mittlere Bild für das rechte Fenster
  4. Alle Passpunkte werden vom Typ 'Normal' erzeugt
  5. Klick mit der Maus an einer Stelle in das linke Bild, an der ein guter Passpunkt zu vermuten ist. Das Bild wird vergrössert.
  6. Klick genau an die Stelle im linken Bild, die als Passpunkt dienen soll.
  7. Klick im rechten Bild (der Cursor hat sich zum Kreuz mit einem Quadrat verändert) an die Stelle, an der sich der zum Bild links korrespondierende Punkt befindet (der Punkt muss innerhalb des Cursor-Quadrates liegen). HUGIN sollte den korrespondierenden Punkt selbständig einstellen. Ist die Schätzung von HUGIN nicht richtig, klick im rechten Bild mit der linken Maustaste auf den richtigen Punkt.
  8. Klick mit der rechten Maustaste in das linke oder rechte Bild. Der Passpunkt wird zum Projekt hinzugefügt. Das Bild wird auf Gesamtansicht gezoomt.
  9. Klick für den zweiten Passpunkt wieder an einer geeigneten Stelle in das linke Bild. HUGIN vergrößert das Bild.
  10. Führe die Feinauswahl aus. HUGIN versucht jetzt, den Punkt im rechten Bild selbständig zu finden.
  11. Füge den Punkt zum Projekt hinzu (rechte Maustaste).
  12. Erzeuge auf diese Weise für jedes Bildpaar 5 Passpunkte

Automatische Passpunkterzeugung
Die Passpunkterzeugung kan auch automatisiert erfolgen. Dazu muß/müssen die optionalen Programme Autopano und/oder Autopano-Sift installiert sein.

» Wechsel auf den ersten Reiter ('Bilder'). Trage in das Feld 'Punte je Bildpaar' die Ziffer '5' ein. Es sollte kein Bild in der linken Bilderliste ausgewählt sein (klick mit der Maus auf einen leeren Bereich der Liste). Starte die Passpunktsuche (Schaltfläche 'erstellen').

Die Passpunkte werden gemäß den Einstellungen von HUGIN erzeugt (siehe Programmeinstellungen von HUGIN).

Passpunkte als horizontale/vertikale Hilfslinien
In vielen Fällen ist der Bildverband verkippt, sodaß der Horizont schief oder der Turm ständig in Pisa steht. Zur Korrektur dieser Fehler lassen sich horizontale und/oder vertikale Hilfslinien einführen. Diese Hilfslinien sind Passpunktpaare in einem Bild, die eine im Motiv dargestellt Horizontale oder Vertikale identifizieren. Die Wirkung im Bild hängt von der gewählten Projektion ab:
  • Bei Abbildung auf die Ebene wird jede Vertikale senkrecht und jede Horizontale waagerecht dargstellt -> rectlinear
  • Auf dem Zylinder wird nur die Horizontale im Ankerpunkt (p=0) waagerecht dargestellt. Alle Vertikale sind senkrecht. -> zylindrisch, Merkator
  • Auf dem um 90 Grad gekippten, transversalen Zylinder wird nur die Vertikale im Ankerpunkt (p=0) gerade dargestellt. Alle Vertikale sind waagerecht. -> transversal Merkator
  • Auf der Sphäre werden nur die Horizontale und Vertikale im Ankerpunkt (y=p=0) waagerecht bzw. senkrecht dargestellt.
  • Bei Sinosoidal, Fisheye, Stereographisch werden nur die Horizontale und Vertikale im Ankerpunkt (y=p=0) waagerecht bzw. senkrecht dargestellt.
  • »

    1. Stell die Bildvergrößerung auf '100%'
    2. Deaktiviere 'Automatisches Verfeinern', 'Automatisches Schätzen' und 'Automatisches hinzufügen'
    3. Wähl über die Bildreiter das mittlere Bild für das linke Fenster und das mittlere Bild für das rechte Fenster
    4. Alle Passpunkte werden vom Typ 'vert. Linie' erzeugt
    5. Klick im linken Bild den oberen Punkt einer vertikale Linie im Gebäude an (hier im Beispiel die rechte Turmseite).
    6. Klick im rechten Bild den korrespondierenden Punkt auf der Vertikalen unten an.
    7. Klick mit der rechten Maustaste in das linke oder rechte Bild. Der Passpunkt wird zum Projekt hinzugefügt.
    8. Setze in der Passpunktliste den Modus für den Passpunkt auf 'vert.Linie'. I.d.R erkennt HUGIN selbständig, ob es sich um eine vertikalen oder horizontale Linie handelt.
    9. Erzeuge auf diese Weise eine zweite Hilfslinie

    Eine horizontale Hilfslinie wird analog zur vertikalen erstellt. Die Wirkung der Hilfslinien ist nach einem Optimierungsvorgang im Vorschaufenster zu ersehen.
Kontrolle der Passpunkte
Tritt bei der Optimierung ein großer Restfehler auf (siehe nachfolgenden Abschnitt) ist es mitunter ratsam, die Passpunkte zu prüfen. Zur Prüfung steht die 'Kontrollpunktetabelle' zur Vefügung. Diese wird über das Menü 'Ansehen->Kontrollpunktetabelle', mit 'F3' oder die zugeordnete Schaltfläche geöffnet. Diese Tabelle listet alle Passpunkte mit den zugehörigen Werten für linke/rechte Bildnummer, Ausrichtung und Abstand nach Optimierung.
Passpunkte mit zu hoher Restabweichung (Abstand) können in der Liste angeklickt werden. Im Reiter 'Bilder' wird der entsprechende Passpunkt angzeigt. Er kann hier direkt mit der Maus korrigiert oder auch gelöscht werden.
Alternativ kann auch mit der Schaltfläche #Auswahl nach Abstand' ein Maximalwert eingetragen werden, der zur Auswahldernicht gewollten Passpunkte dient.
Parameter der äußeren Orientierung ermitteln (Optimizer)
Die Optimierung bzw. die Ermittlung der Parameter, die u.a. die Drehungen der einzelnen Bilder zueinander beschreiben, wird vom Programm ausgeführt (PTOptimizer macht das). Die Optimierung basiert darauf, die Parameter (Rotationen, Linsenfehler) der Einzelbilder so zu bestimmen, daß in den Passpunkten kleinst mögliche Restspannungen auftreten. Ist zur Vorverarbeitung der Bilder bereits PTLens eingesetzt worden, sollte auf eine Bestimmung der Objektivfehler in HUGIN verzichtet werden.

Der Optimizer verfügt über eine Auswahlliste für die Optimierungsoptionen, Auswahllisten, die die einzelnen Bilder auflisten (Yaw, Pitch und Roll) und Auswahllisten mit den Objektivparametern (je Objektiv eine Zeile). Diese Listen sind je nach gewählter Optimierer-Option auswählbar.

Da die Einstellungen zur Art der Projektion und Ausgabe-Bildgröße den Optimizer beeinflussen, ist vor dem Optimizer die gewünschte Projektion und Ausgabegröße auf dem letzten Reiter einzustellen. Die Optimierung funktioniert nur bei rectlinearer,zylindrischer oder equirectangularen Projektion. Siehe Stitcher.

» Wähle als Optimierer-Option 'Positionen, inkremental vom Anker beginnend'. Starte den Optimierungsvorgang. Nach der Optimierung erscheint das Meldungsfenster mit den Abweichungen in den Passpunkten nach Optimierung der Parameter. Bestätige die Aktion mit 'Anwenden'.

Das Ergebnis der Optimierung beinhaltet auch Angaben zur Güte der bestimmten Parameter. Die 'Durchschnittliche Kontrollpunktentfernung' gibt an, wie viele Pixel die Punkte eines Passpunktpaares nach Optimierung auseinander liegen. Idealerweise ist dieser Wert gleich 0. Die Standardabweichung ist ein statistisches Maß aus Mittelwert und Abweichung der Einzelwerte zum Mittelwert. Der Maximalwert gibt an, wie weit der größte Abstand bei einem Passpunktpaar ist.
Wichtig: Der durchschnittliche Abstand sollte bei einem Bildverband unter guten Bedingungen (Stativ, etc. ) unter 5 liegen. Der Maximalwert sollte ungefähr die gleiche Größe wie die Standardabweichung haben. Streng genommen gilt dies nur für Bildverbände einer bestimmten Größe, da die Zahlenwerte von der Ausgabegröße abhängig sind. Als Anhalt sollte der Werte 5 jedoch hinreichend sein.
Sind die Werte nach Optimierung nicht zufriedenstellend, sind die Passpunkte einzeln zu prüfen und ggf. andere Optimierungsoptionen zu wählen. Siehe hierzu Kontrolle der Passpunkte und Der Optimizer im Detail.
Es kann vorkommen, daß der Optimierungsprozess trotz Passpunktkontrolle und weiterführender Parameterschätzung keine Ergebnisse liefert. Um das Projekt neu zu starten, lassen sich gewählte Parameter auf dem Reiter 'Bilder' und 'Kamera und Objektiv' gezielt beeinflussen bzw. wieder auf 0 zurücksetzen.
Panorama stitchen (Einzelbilder projizieren und zusammenfügen)
Die Ausgabe des Panoramas wird intern in zwei Arbeitsgängen ausgeführt: a) Projektion der Einzelbilder gemäß der ermittelten Parameter und b) anschließendes Zusammenfügen der Einzelbilder mit Angleichung der Übergänge. Als Ergebnis steht ein Jpeg oder TIFF zur Verfügung.
Nach Wahl der Projektion/Abbildung und Auswahl des vertikalen und horizontalen Betrachtungswinkels (vfov, hfov) kann das Panorama erstellt werden. Die Wirkung der Projektion ist über das Voransichtsfenster kontrollierbar.
Mit der Einstellung des Blickwinkels wird der Ausschnitt des zu erzeugenden Panoramas festgelegt. Der Ausschnitt laut Bildwinkel ist immer zentriert zum Ankerpunkt. Man sollte bei nicht sphärischen Panoramen versuchen, die schwarzen Ränder (->Vorschaubild) durch Änderung des Bildwinkels zu minimieren. Die eigentliche Festlegung der Ausgabegröße in Pixeln wird mit der 'Panoramabildgröße festgelegt. Neben der Berechnung aus den Eingangsbildern (Addition der nichtidentischen Bildteile unter Berücksichtigung des hfov und vfov) kann der Wert auch manuell festgelegt werden. Dies sollte in den meisten Fällen gemacht werden, da die Größe aus Eingangsbildern häufig unnötig groß ist und somit Rechenzeit für das Stitchen benötigt.
Neben der direkten Ausgabe des Bildes als Einzelbild (jpg, tiff) ist es auch möglich, aus HUGIN heraus nur die projizierten Bilder als einzelne Tiff-Dateien (je Eingangsbild ein Ausgabebild) oder ein Multilayer-Tiff auszugeben. Diese lassen sich dann in einem Bildverarbeitungsprogramm modifizieren. Die geänderten Bilder werden dann mit einem Kommandozeilenaufruf von Enblend oder Smartblend zu dem fertigen Panorama zusammengefügt.
Dies wird zum Beispiel bei der Beseitigung von Geistern/Doppelbildern von Menschen angewendet, oder wenn man bessere Kontrolle über den Stitchingprozess haben möchte.

»

  1. Wähle den Reiter 'Zusammenfügen'
  2. Wähle als Projektion 'Zylindrisch' in der oberen rechten Auswahlliste
  3. Drücke die Schaltfläche 'Blickwinkel berechnen'. Dies berechnet aus den Eingangsbildern die Größe des Ausgabebildes als horizontaler Blickwinkel und vertikaler Blickwinkel.
  4. Drücke die Schaltfläche 'Größe berechnen'. HUGIN bestimmt die Ausgabegröße unter Nutzung der vollen Bildinformation der Eingangsbilder.
  5. Öffne das Vorschaufenster ('ctrl-P' oder 'Ansehen-> Vorschau Fenster')

Exkurs: Rechtwinkelig, zylindrisch, sphärisch oder ...?
Bevor es mit dem Zusammennähen beginnt, ein paar Worte zu den Projektionen. Eine genauere Betrachtung gibt es hier: Rechtwinkelig, zylindrisch, sphärisch ... - im Detail.
HUGIN, bzw. die Sticherprogramme bilden die Eingangsbilder auf eine Referenzfläche ab.
Als Projektion kommen drei wesentliche Arten zur Anwendung. Diese und die übrigen mit der Version 0.6 neuen Projektionen werden im Detail im Abschnitt Rechtwinkelig, zylindrisch, sphärisch ... - im Detail behandelt.

a) Ebene Fläche / rechtwinkelig / rectangular
Das Panorama wird so abgebildet, wie ein normales Kameraobjektiv abbildet. Diese Projektion führt leider auch dazu, daß bei großem Bildwinkel eine zum Rand (oben und unten) hin stärker werdende Verzerrung sichtbar wird. Das nebenstehende Beispielbild hat einen Bildwinkel von 156°. Maximal zulässig ist 175° in beiden Richtungen.
b) Mantelfläche eines Zylinders
Das Panorama wird auf die Fläche eines Zylinders abgebildet. Der zulässige Bildwinkel ist in der Horizontalen maximal 360° und in der Vertikalen < 180°.


c) Mantefläche einer Kugel
Die Abbildung auf die Kugel (Equirectangulare) erlaubt einen vollständige Rundumblick, also 360° x 180°. Dies ist dann auch der Anwendungszweck der equirectangularen Abbildung.

Mehr zum Thema Abbildung findet sich hier: Rechtwinkelig, zylindrisch oder sphärisch - im Detail.


Zurück zum Vorschaufenster Das Vorschaufenster zeigt die Bilder des Verbandes. In der oberen Reihe befinden sich Schaltknöpfe für die Zentrierung des Bildes (ändert den Ankerpunkt, so daß das Bild in der Mitte des gewählten Blickwinkels ist), Gesamtansicht des Bildes, Aktualisierungsmodus (Automatisch, Manuell). Ist der Aktualisierungsmodus auf 'automatisch' gestellt, wird das Vorschaufenster bei jeder relevanten Änderung aktualisiert (Änderungen am Bildwinkel oder auch Sichbarkeit einzelner Bilder).
In der Mitte selber befindet sich das Panorama. Links und unterhalb sind Schieberegler, mit denen der Blickwinkel verstellt werden kann. Oberhalb befindet sich für jedes Bild eine Schaltfläche. Mit diesen können die Bilder an- oder ausgeschaltet werden (Dies hat je nach den Einstellungen von HUGIN Auswirkungen auf den Optimizer und Sticher, siehe hier die Programmeinstellungen von HUGIN).


Unterhalb der Voransicht kann ab der Version 0.6.1 von HUGIN auch direkt die Projektion eingestellt werden, um die sofortige Wirkung auf das Ausgabebild zu ersehen.

Wenn das Vorschaubild in Ordnung ist:

»

  1. Wähle als Sticher das Programm 'Nona' aus der Auswahlliste
  2. Wähle als Bildformat 'jpg' und eine Kompression (90)
  3. Drücke den Schaltknopf 'Jetzt zusammenfügen'. Das Programm fragt nach einem Dateinamen und das Panorama wird erstellt!

Hier ist dann das beschnittene Ergebnis:

HUGIN lässt an dieser Stelle Freiheiten, die sich erst nach der Praxis mit den einzelnen Option erschliessen. Eine Diskussion aller Optionen des Reiters 'Zusammenfügen' in allen Kombinationen würde wohl zu weit führen. Ein paar Tips noch:
  • Es gibt ein paar vordefinierte Ausgabeeinstellungen über die Auswahlbox ('Schnelles Zusammenfügen') links oben.
  • Der Blickwinkel und die automatische Bestimmung ist häufig manuelle zu korrigieren, das HUGIN für den Anwender offensichtlich seltsame Werte einstellt.
  • Die Ausgabegröße sollte nach der Berechnung geprüft werden. Ein Panorama mit 15000 Pixeln ist nicht immer sinnvoll und benötigt viel Rechenzeit.
  • Die Sticher bieten verschiedene Methoden für die Neuberechnunug der Pixelfarbe im Ausgabebild. Je höherwertig die Methode ist desto länger dauert der Ausgabevorgang. Die Methode 'Bikubisch' ist ein gute Wahl.
  • Die beiden Sticher erlauben unterschiedliche Optionen.
  • Optimale Ergebnisse erreicht man mit dem optionalen Programm Enblend oder Smartblend. Dies wird im Abschnitt Stitchen mit enblend behandelt.



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